Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DAA Leipzig berichten

 

Jedes Jahr darf die DAA Leipzig zahlreiche neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren Qualifizierungen begrüßen, einige von ihnen übermitteln Ihnen an dieser Stelle einen Eindruck zu ihrer Qualifizierung bei der DAA Leipzig. Nachfolgend finden Sie Erfahrungs- bzw. Teilnehmerberichte.

Alireza Mohammadi berichtet ...

 

Herr Mohammadi ist 31 Jahre alt, gebürtiger Iraner und absolviert mittlerweile eine Ausbildung zum Mechatroniker in Leipzig. Unterstützung erhielt er dabei von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes RESQUE 2.0.

"Nachdem ich erfolgreich mein Abitur abgeschlossen habe, studierte ich an der Universität Qazvin Informatik. 

2012 bin ich nach Deutschland gekommen. Die Bearbeitung meines Asylantrags hat sehr lange gedauert, so dass ich lange eine Aufenthaltsgestattung hatte. In dieser Zeit habe ich verschiedene niederschwellige Sprachkurse, unter anderem beim Vorgängerprojekt RESQUE Plus – Deutsch mit Berufsorientierung, besucht. Nach und nach bin ich in die Geheimnisse der deutschen Sprache vorgedrungen. Dann setzte ich mich mit dem Thema Ausbildung in Deutschland auseinander.  Es sollte etwas mit der Technik sein – das stand fest. Nach einem vorgeschalteten Praktikum habe ich im August 2016 eine Ausbildung zum Mechatroniker -  meinem Traumberuf -  angefangen.  

Da über meinen Asylantrag noch nicht entschieden wurde, bekam ich eine sogenannte „Ausbildungsduldung“. Paradox ist für mich, dass ich auch wie jeder andere arbeite und Steuern bezahle, soziale Abgaben leiste, aber ich darf mir kein Auto kaufen. Eine gewisse Mobilität brauche ich während meiner Arbeit, da meine Arbeitseinsätze über die Stadt verteilt sind.

Meine Ausbildung macht mir großen Spaß, der Prozess des Lernens – wenn es auch manchmal anstrengend ist – ist Bereicherung und zufriedenstellend. Meine Kollegen unterstützen mich mit Rat und Tat.

Was immer wieder seinen Schatten wirft, ist mein noch immer ungeklärter Aufenthaltsstatus. Neulich fragte mich mein Chef, wie es mit mir weitergehen wird, was ich nach der Ausbildung machen werde. Ich habe meinen Willen bei der Firma zu bleiben bekräftigt. Aber die Frage nach den „richtigen“ Papieren wird immer wieder gegenwärtig. Deswegen fällt es nicht nur mir, sondern auch meinem Chef schwer irgendwelche Pläne zu machen.  

Für die Zukunft wünsche ich mir meine Ausbildung abzuschließen und einen gültigen Aufenthaltstitel für Deutschland zu bekommen. Der Bereich, in dem ich jetzt tätig bin, wächst rasant und um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, muss man sich immer weiterbilden. Deswegen ist die Weiterbildung bei mir großgeschrieben."

 

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Interview mit Absolventin Mandy Weiße

 

Frau Mandy Weiße (35 Jahre) hat in diesem Jahr eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen bei der DAA Leipzig abgeschlossen. Anlässlich der feierlichen Übergabe der Abschlusszeugnisse durch die Industrie- und Handelskammer haben wir mit ihr gesprochen.

DAA: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung! Vielleicht beschreiben Sie uns kurz, wie sie dazu gekommen sind, eine Umschulung bei der DAA Leipzig zu absolvieren.

Mandy Weiße: Vielen Dank. ich bin ausgebildete Foto- und Medienlaborantin. Ein sehr schöner Beruf, der mir immer viel Freude bereitet hat. Nur: wenn es keine Fotos mehr zu entwickeln gibt, fehlen einem irgendwann die beruflichen Perspektiven. Die Digitalisierung in der Fotografie hat meine ursprüngliche Ausbildung hinfällig werden lassen.

DAA: Und wie sind Sie auf den Berufswunsch Kauffrau im Gesundheitswesen gekommen?

Mandy Weiße: Die Entscheidung für diesen beruf liegt schon ein paar Jahre zurück. Schon bei der Geburt meiner Kinder und den damit verbundenen Krankenhausaufenthalten war mir klar, dass ich, falls ich einmal gezwungen sein sollte, meinen alten Beruf aufzugeben, gern ins Gesundheitswesen wechseln würde. Ich habe mich immer für eine Arbeit am Menschen interessiert und den Schritt bis heute nicht bereut.

DAA: Warum haben Sie sich für die DAA entscheiden?

Mandy Weiße: zunächst habe ich mich gründlich umgesehen und mir eine Reihe von Bildungsunternehmen angeschaut. Mehre Faktoren spielten bei der Auswahl der Schule für mich eine wichtige Rolle. Maßgeblich war vor allem – ganz pragmatisch gesehen – die Entfernung zu meinem Wohnort sowie die Frage, wie und mit welchen Methoden die Ausbildung stattfindet.

DAA: Und die DAA hat Sie diesbezüglich überzeugt?

Mandy Weiße: Was mir bei der DAA gefallen hat, war die variable Unterrichtsgestaltung und die damit verbundene freie Zeiteinteilung, was ich wie, wann und wo zu lernen habe. Auch die Möglichkeit im Krankheitsfall zuhause zu arbeiten, hat mich überzeugt. Außerdem konnte ich mir vor dem Umschulungsstart Einrichtung und Unterrichtsräume der DAA Leipzig genauer ansehen und mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem 2. Ausbildungsjahr reden, die mich dann letztendlich davon überzeugt haben, am Torgauer Platz meine Umschulung aufzunehmen. Es folgten zwei sehr anstrengende Jahre, die sich aber gelohnt haben. Ich habe viel gelernt und eine Menge netter Leute kennengelernt.

DAA: Sie haben bereits darauf hingewiesen, dass Sie das DAA-Lernsystem grundsätzlich überzeugt hat. Gibt es auch kritische Punkte, die Sie uns mit auf den Weg geben möchten?

Nun ja, sicher gibt es immer etwas, dass verbessert werden könnte. Was mich etwas gestört hat, war zum Beispiel die Länge der Lernmodule. Es war nicht immer leicht, den roten Faden für die anvisierten 40 Stunden sofort zu finden. Auch war mir nicht immer klar, was vom Stoff der Lernmodule prüfungsrelevant war und was eben nicht. Aber dafür hatten wir ja unsere Lernberater und Fachdozenten, bei denen ich mich auf diesem Weg noch einmal für die gute Betreuung herzlich bedanken möchte.

DAA: Eine Umschulung macht natürlich nur Sinn, wenn im Nachhinein eine neue berufliche Tätigkeit aufgenommen werden kann. Wie sieht es, Frau weiße, haben Sie schon einen Job in Aussicht?

Mandy Weiße: Der Arbeitsvertrag ist schon unterschrieben. Ich werde noch im Oktober in einer Zahnarztpraxis anfangen und freue mich schon sehr, endlich wieder arbeiten gehen zu können.

DAA: Frau Weiße, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Das Interview führte Markus Metke.

 

Omar A. berichtet

 

Omar ist gebürtiger Syrer und absolviert mittlerweile eine Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer in Taucha bei Leipzig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes RESQUE 2.0 haben ihn dabei unterstützt.

"Anfang 2014 verließ ich mit meiner schwangeren Frau das kriegsgeschüttelte Land und reiste über Libyen und Italien am 01.05.2014 nach Deutschland ein. Die erste Station war München und meine ersten Eindrücke waren nicht besonders angenehm. Die Polizei war sehr unfreundlich, fast feindselig gesinnt. Ich musste auch eine Nacht auf einer Polizeiwache verbringen, die Familie war in der Zwischenzeit im Asylbewerberheim untergekommen. Es folgten 24 Tage Chemnitz und schließlich wohnten wir in Leipzig im Asylbewerberheim in der Riebeckstraße 63. Jetzt haben wir eine eigene Wohnung. Mittlerweile besitze ich eine Aufenthaltserlaubnis.

Meine Eltern hatten eine Stahlbetonfirma in Syrien und ich habe schon als Jugendlicher immer mitgearbeitet. Meinen Eltern und mir was es eigentlich immer klar, dass ich in die Branche einsteige. Und so war es auch von Anfang an mein Wunsch, in Deutschland als Stahlbetonbauer zu arbeiten, brachte ich doch schon viele praktische Erfahrungen mit, aber eben keinen Berufsabschluss. Aber so einfach ging das nicht. Ich musste lernen, dass in Deutschland ohne Abschlüsse oder Zertifikate gar nichts geht. Gerade in der Arbeitswelt gelten hier Gesetze und Regeln, die es in Syrien nicht gibt. Das war neben dem Erlernen der deutschen Sprache die größte Herausforderung und das ist auch heute noch so.

Über RESQUE 2.0 in die Berufswelt. So stand am Beginn ein Sprachkurs bei der DAA Leipzig. Dort bin ich auch auf das Projekt RESQUE 2.0 aufmerksam geworden. Sie haben mich darin bestärkt, meine berufliche Zukunft in Deutschland auf einer soliden Basis zu gründen, was bedeutete, eine dreijährige duale Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer zu beginnen. Und das in meinem Alter. Das RESQUE 2.0 – Team hat mir sehr geholfen – bei den Bewerbungen und allen anderen Sachen, die in Vorbereitung für so eine Ausbildung notwendig sind, einschließlich der Kontakte zum Ausbildungsbetrieb. Es gab auch viele Informationen, z. B., dass es neben der praktischen Ausbildung im Betrieb noch eine Berufsschule gibt, die wie eine richtige Schule funktioniert. Was das wirklich heißt, habe ich erst verstanden als ich auf der Schulbank saß.

Das erste Ausbildungsjahr. Jetzt bin ich mitten im ersten Lehrjahr und kann einschätzen, dass die Ausbildung im Betrieb gut läuft, ja es macht sogar Spaß. Die Kollegen akzeptieren mich – ich glaube das hängt auch damit zusammen, dass ich schon einiges kann und mich nicht vor schwerer Arbeit scheue. Der Chef ist sehr gut zu mir und unterstützt mich genauso wie die Ausbilder. Zu den anderen drei Azubis im Betrieb habe ich kaum Kontakt. Natürlich gibt es auch noch so manche Sprachbarriere. Ich bekomme aber viel Unterstützung durch die Lehrer und drei- bis viermal in der Woche Stützunterricht durch den „Senior Expert Service“, den mir auch das RESQUE-Team vermittelt hat. Gerade in Mathematik habe ich das sehr nötig. Hier gibt es zum Beispiel auch andere Rechenwege als ich sie in meiner Heimat gelernt habe. Durch die Schule und die Arbeit auf den Baustellen – da geht es manchmal bis in die Abendstunden - habe ich wenig Freizeit und auch wenig Zeit für meine Familie. Zwei Kinder gehen in den Kindergarten und für das Jüngste suchen wir noch einen Kitaplatz. Das größte Kind wird schon auf die Schule vorbereitet – das läuft gut.

Für die Zukunft. Ich wünsche mir, die Ausbildung so gut wie möglich zu beenden. Natürlich möchte ich mich weiterbilden, vielleicht später meinen Meister machen. Ich muss schon wegen meiner Familie weiterkommen, denn die Löhne in meiner Branche sind sehr niedrig."

 

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Teilnehmer

Jenen, die bestrebt sind, Ihren Horizont zu erweitern, kann ich nur sagen: die DAA ist eine Erfahrung wert.

 

Meine Gründe für die damalige Entscheidung lagen in den Umständen aus einem vorhergehenden  Beschäftigungsverhältnis als Pflegehilfskraft sowie mein Ziel, einmal selbst Leiter einer solchen Pflegeeinrichtung zu sein. Heute, befinde ich mich mitten in der Weiterbildung zum Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen über ein Fernstudium.

Die Zeit bei der DAA als Umschüler empfand ich als sehr angenehm. Die dortig praktizierende Lernmethodik war mir zu diesem Zeitpunkt zwar fremd, aber nicht wirklich herausfordernd. Seit ich denken kann, bin ich bestrebt, meinem Wissensstand über entsprechende Literatur zu erweitern – Lücken zu schließen. Das Lernen über eine Lernplattform am PC war anfangs für mich eine Umstellung, man gewöhnt sich aber schnell daran. Mit einem festen Ziel vor Augen und entsprechendem Ehrgeiz sollte das auch für Euch realisierbar sein.

Sobald es Probleme beim Verständnis mit den Lerninhalten gab, standen mir und meinen Mitschülern die örtlichen Lernberater mit umfassender Kompetenz zur Seite. Auffallend positiv, nur wenige Lernberater mit umfassenden Wissensstand haben es geschafft haben, eine Vielzahl von Schülern unterschiedlichster Fachrichtungen zu besänftigen.

Die Mitschüler aus meiner Klasse kann ich nur loben, eine Konstellation, wie sie nur im Bilderbuch zu finden ist. Es gab Momente des Schweigens, aber auch des Lachens. Und wenn ich so recht überlege, haben wir mehr gelacht als geschwiegen. Nicht zu vergessen der Spaßfaktor mit den Lernberatern.

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Eurem Vorhaben und vor allem Spaß beim Lernen.

Mirko T., Absolvent der Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen

Abbas N. berichtet ...

 

Abbas ist gebürtiger Afghane und absolviert mittlerweile eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer in Leipzig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes RESQUE 2.0 haben ihn dabei unterstützt.

"Mein Name ist Abbas N. Ich komme aus Afghanistan und bin seit 2015 in Deutschland. Mein erster Tag in Deutschland war etwas verwirrend, es gab kaum Empfindungen, da ich die deutsche Sprache nicht konnte. Sicher fühlte ich mich, das weiß ich. Nun habe ich eine Aufenthaltsgestattung und wohne in einer 2er-WG, ziemlich zentral. Ich fühle mich sehr wohl. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport, ich mache Fitness und fahre sehr gern Fahrrad. Ich interessiere mich sehr für das Zeichnen. Ich mache Bleistiftzeichnungen. Das Zeichnen hilft mir sehr, das Vergangene zu verarbeiten. In der Schule war ich früher der Beste im Zeichnen und ich zeichne für mich selbst.

Erfolgreich auf dem Weg in die Berufswelt. Berufliche Erfahrungen habe ich im Metallbau gesammelt. Ich habe die Schule bis zur 7. Klasse besucht. In Deutschland habe ich bereits zwei verschieden Praktika gemacht. Zunächst habe ich ein Praktikum im Metallbaubereich gemacht. Das ist ein einsamer Job mit Materialien, Werkzeugen und Maschinen, weniger mit Menschen. Ich wollte gern mit Menschen arbeiten. Also habe ich ein Praktikum im Altenheim gemacht und erkannt, dass dieser Beruf besser für mich geeignet ist. Da habe ich mit Menschen zu tun. Ich kann helfen und werde gebraucht. Die Praxis ist sehr interessant. Als Altenpflegehelfer muss ich viele Schritte der Pflege und Hygiene im direkten Umgang mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Patientinnen und Patienten im Altenheim und im Krankenhaus lernen. Es ist wichtig, freundlich und empathisch zu ein. Das Soziale ist für diesen Beruf wichtig. Meine KollegInnen sind sehr empathisch und können nachvollziehen, dass mir einiges schwer fällt, da die deutsche Sprache nicht einfach ist. Der Schulalltag fällt mir manchmal schwer, aber ich bekomme Hilfe durch meine Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitschülerinnen und Mitschüler. Auch die Sozialbetreuung sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes haben mir zu Beginn geholfen. Vor allem bei Formularen oder bei Bewerbungen brauchte ich Hilfe, die mir auch gewährt wurde. Zum RESQUE 2.0 Projekt bin ich über die Stadt Leipzig, Referat für Migration und Integration gekommen. Seitdem ich bei RESQUE 2.0 bin, nutze ich die individuelle Förderung, besonders die Unterstützung bei Problemen mit der deutschen Sprache und der Entwicklung der Fachsprache des Gesundheitsbereiches, wie zum Beispiel Vokabeln im Bereich Anatomie.

Für die Zukunft. Ich möchte gerne in dem Beruf, den ich erlerne weiterkommen. Ich möchte mich weiter qualifizieren. Gern bleibe ich auch in Leipzig, ich lebe gern hier.

 

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Frau mit Luftballon

"Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir." (Seneca)

 

Tatsächlich habe ich mich bei der DAA Leipzig recht gut aufgehoben gefühlt - nicht nur in lerntechnischer, sondern auch in menschlicher Hinsicht.

Zunächst war ich mir nicht sicher, ob eine Umschulung mit Frontalunterricht in der mir als Schülerin geläufigen Form besser wäre, da mich die sogenannte modulare Ausbildung am Computer etwas verunsicherte und ich mich bis zu meinem Umschulungsantritt so gut wie überhaupt nicht um die Einsatzmöglichkeiten und Anwendungen von Computern und Programmen kümmern musste. In den Grundzügen war das aber leichter, und fast unbemerkt, Erlernt als anfangs befürchtet.

Im Verlauf der Umschulung habe ich festgestellt, dass gerade diese Form des Lernens in meiner Situation genau das Richtige ist: Die Umschüler/-innen haben unterschiedliche Berufserfahrungen und unterschiedliche Altersklassen. Die Methoden und Lernrhythmen sind so verschieden, dass ein homogenes Vorankommen im herkömmlichen Frontalunterricht kaum möglich gewesen wäre. Für mich war es gut, mein eigenes Tempo zu finden, Aspekte und Themen ggf. zu vertiefen oder sogar weiter als nötig auszuschweifen. Dabei gibt es immer die Möglichkeit, sich bei Fragen an einen der Lernberater oder Dozenten zu wenden, die sich trotz ihrer umfangreichen und vielfältigen Aufgaben stets die Zeit genommen haben, zu helfen und mir immer geholfen haben!

Mehr Dozentenunterricht im fachspezifischen Bereich hätte ich mir allerdings gewünscht. Außerdem hätte mir vor allem am Anfang eine klarere Darstellung der Zusammenhänge zwischen Wirtschafts- und Sozialkunde sowie dem kaufmännischen Bereich innerhalb der einzelnen Module geholfen. Wirtschaftssystem, Gesetzgebung und die Auswirkungen auf das Berufsleben stehen nämlich in unmittelbaren Zusammenhang. Je deutlicher und verständlicher das dem Einzelnen wird, umso motivierter kann er sich mit den verschiedenen zusammenlaufenden Aspekten und Inhalten auseinander setzen.

Vielen Dank für die zwei für mich wichtigen Jahre, die mir sowohl in menschlicher Hinsicht als auch in beruflicher sehr geholfen haben!

Aline L., Absolventin der Umschulung zur Kauffrau für Spedition & Logistikdienstleistung

Avni J. berichtet...

 

Avni ist gebürtiger Kosovare und absolviert mittlerweile eine Ausbildung zum Glas- und Gebäudereiniger in Leipzig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes RESQUE 2.0 haben ihn dabei unterstützt.

"Mein Name ist Avni. Ich komme aus dem Kosovo. Ich habe mit meiner Frau und meinem dreijährigen Sohn im Februar 2015 einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Ende März 2015 wurden wir dann der Stadt Leipzig zugewiesen. Zunächst wohnten wir in einer Asylbewerberunterkunft, ungefähr seit August 2015 wohnen wir in Leipzig in einer Wohnung. Wir waren zuerst einmal sehr erleichtert, gesund und unversehrt mit unserem kleinen Sohn in Deutschland angekommen zu sein. Wir waren froh, in der Erstaufnahmeeinrichtung versorgt zu werden. Wir wurden mit einer weiteren Familie in einer Wohneinheit untergebracht, jeder hatte ein Zimmer. Die großen Einrichtungen mit viel Unruhe, vielen verschiedenen Menschen, die viele Fragen, Sorgen oder Probleme hatten und die wenige Privatsphäre waren besonders für meine Frau und unser Kind nicht einfach. Damals kamen viele Menschen aus Albanien und dem Kosovo als Asylbewerber nach Deutschland. Für die Verständigung wurden immer Sprachmittler gesucht. Ich konnte bereits Deutsch und habe daher in allen Unterkünften ehrenamtlich als Sprachmittler geholfen. Unser Asylantrag wurde abgelehnt.

Über RESQUE 2.0 in die Berufswelt. Die Sozialarbeiterin der Gemeinschaftsunterkunft, in welcher ich damals wohnte, hat für meine Unterstützung einen Termin beim Projekt RESQUE 2.0 hergestellt. Die Projekt-Mitarbeiterinnen im Referat für Migration und Integration bei der Stadt Leipzig und bei der DAA Leipzig haben mich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz unterstützt. Sie haben auch Kontakte mit den Ausbildungsbetrieben aufgenommen, da diese viele Fragen hatten, wenn sie einen Auszubildenden mit Duldung einstellen würden. Das Projekt unterstützt mich auch bei allen Fragen im Zusammenhang mit Behörden, denn es gibt viele Sachen zu beachten und Formulare auszufüllen – z. B. wenn es um die Ausbildungsduldung ging, um die Geburtsurkunde für meinen Sohn, Fragen zum Lebensunterhalt oder zum Kindergeld.

Erfolgreiche Integration trotz unsicherer Zukunft. Ich habe einen Berufsschulabschluss als Elektroinstallateur im Kosovo gemacht. Im Unterschied zu Deutschland ist dies aber eine schulische Ausbildung gewesen und es war nicht möglich, praktische Erfahrungen zu sammeln. Gearbeitet habe ich im Kosovo mehrere Jahre als Maler. Seit dem 01.09.2015 mache ich in Leipzig eine Ausbildung zum Glas- und Gebäudereiniger. Ich bin jetzt im 3. Lehrjahr und stehe kurz vor dem Abschluss meiner Ausbildung. Die Berufsschule war etwas schwerer für mich, weil ich noch sehr viele Fachwörter lernen musste. Mein Ausbildungsbetrieb und meine Lehrer in der Berufsschule haben mich immer unterstützt, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. So ist meine Ausbildung bisher sehr erfolgreich verlaufen. Mir hat sehr geholfen, dass ich bereits die deutsche Sprache konnte. Da ich als ehrenamtlicher Sprachmittler viele Asylbewerber zu Ämtern, Ärzten und anderen Stellen begleitet habe, habe ich viele Leute und Strukturen kennengelernt. So habe ich nicht nur andere Menschen unterstützt, sondern auch viele für mich selber hilfreiche Tipps, Informationen und Kontakte bekommen.

Seit dem Inkrafttreten des Integrationsgesetzes im August 2016 habe ich eine sogenannte Ausbildungsduldung – diese ist bis zum Ende meiner Ausbildung am 31.07.2018 gültig. Das größte Problem für mich war und ist es, keine Sicherheit und Verlässlichkeit für die Zukunft zu haben. Trotz meiner Vorkenntnisse war es sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden, weil auch die Ausbildungsbetriebe eine Garantie haben wollten, dass ich während und nach der Ausbildung in Deutschland bleiben kann. Ich weiß zwar, dass es die Möglichkeit gibt, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, wenn ich die Ausbildung erfolgreich beende und in meinem Beruf arbeite. Ich hoffe aber auch, dass dies klappt; dennoch bleibt das Gefühl der Unsicherheit. Viele Landsleute glauben zum Beispiel nicht, dass ich nach der Ausbildung in Deutschland bleiben kann.

Für die Zukunft. Ich möchte meine Ausbildung erfolgreich abschließen und dann in meinem gelernten Beruf arbeiten. Mein größerer Sohn hat zwei Jahre den Kindergarten besucht und beendet jetzt bald die erste Klasse. Mein jüngerer Sohn geht seit Dezember letzten Jahres den Kindergarten. Meine Frau lernt gerade in einem Deutschkurs und hat vor, ab Sommer in einem Friseursalon zu arbeiten. Wir fühlen uns in Deutschland sehr wohl, sind hier „angekommen“ und wünschen uns, in Deutschland bleiben zu können.

 

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Informationen zum Projekt RESQUE 2.0